Warum bin ich ein Indie-Autor geworden?

… weil ich mich nicht gerne verbiegen lasse,
… weil ich gerne unabhängig bin
und
… weil ich nicht warten kann.


 

Als ich meinen ersten Roman Dreamtime Saga – Hüter der Gezeiten, fertiggeschrieben und das Manuskript von einer unabhängige Agentur korrigiert und lektoriert worden war, habe ich es an sieben, der größten Fantasy Verlage geschickt. Von einem Verlag kam nach drei Monaten eine nichtssagende Absage mit viel Glück bei der weiteren Verlagssuche.
Der zweite Verlag wollte mich unter Vertrag nehmen (Juhuuuuu). Dann kam der Hacken. Sie fanden die Geschichte stimmig, superinteressant. Aber ich sollte doch bitte mal kurz was umschreiben. Und meine Hauptromanfigur Michael Cheveyo, ein indianischer Arzt der die Fähigkeit besitzt sich in einen Puma zu verwandeln, abändern. Pumas würden beim Leser nicht so gut ankommen. (Seit wann weiß man das schon im Voraus??) Sie hielten es für besser, ihm die Gestalt eines Vampirs zu geben. (??)
Wenn ich auf den Spuren von Stephenie Meyer und ihren Twilight Romanen wandeln wollte, dann hätte ich mein Buch “Tränen eines Vampirs“ genannt. (Habe ich aber nicht, denn ich liebe Pumas!!) Nachdem ich dann noch eine Klausel unterschreiben sollte, ich der ich als Jungautor auf eventuelle Auslandsrechte und noch andere Einnahmen verzichten sollte, lehnte ich dankend ab. Von den restlichen fünf Verlagen warte ich noch heute, auf eine Antwort. Aber warten gehörte noch nie zu meinen Stärken.
 
Daraufhin begann ich eine Pro und Kontra Liste zu erstellen. Was kann mir ein Verlag bieten? Vor und Nachteile?
1. druckt die Bücher auf sein eigenes finanzielles Risiko
2. stellt mir gratis Lektorat, Korrektorat, und hilft mir beim Feinschliff von Sprache, Stil, sowie inhaltlichem Aufbau
3. übernimmt das Coverdesign und das gesamte Layout
4. er macht kostenlos Werbung für den Autor und sein Buch­­
 
Was bietet mir das Self Publishing?
1. Ok, der Punkt geht an den Verlag und mein Bankkonto bleibt unangetastet. Aber no risk, no fun, oder? Will man was erreichen, muss man auch bereit sein, etwas zu investieren.
 
2. Das kann ich mit einer von mir bezahlten, unabhängigen Agentur, auch erreichen. Der Nachteil ist, dass ich diesen Service selber bezahlen muss. Aber ein alteingesessener Lektor eines großen Verlages ist auch nicht vor Fehlern gefeit.
An diesem Punkt möchte ich gerne mal an das Absageschreiben an den Autor Patrick Süskind, erinnern. Der Lektor eines bekannten Verlages, schickte ihm sein Manuskript für seinen Roman “Das Parfum“ mit den Worten zurück, das sein undefinierbarer Schreibstil und die komplette Geschichte an sich, untragbar für das Leserpublikum seien. Soviel zum Thema, das nur die Lektoren eines großen Publikum Verlages die wirklichen Perlen unter den Manuskripten finden. (Olé)
Ich weiß nicht, ob der gute Mann danach noch weiter im selben Verlag arbeiten durfte. Aber auch erfahrene Lektoren haben das Wort und den Stil nicht für sich gepachtet. Ab und zu lese ich gerne etwas von der Autorin Tami Hoag, die oft in den Bestsellerlisten steht. Nachdem ich in der deutschen Ausgabe, auf einer einzigen Seite, sage und schreibe fünfmal einen Satz sah, der mit dem Wort “Sie“ anfing, begann ich doch ernsthaft an der Lektorin zu zweifeln. (Kopfschmerzen, vom Ex verlassen, die Katze wurde heute Morgen überfahren???) Es ließ mir keine Ruhe und so besorgte ich mir die amerikanische Originalausgabe. Danach musste ich mich innerlich bei der deutschen Lektorin entschuldigen. Tatsächlich war von der Schriftstellerin und ihrem amerikanischen Lektorat mehr als nur eine Buchseite zum Print freigegeben worden, in denen fast durchgehend die Sätze mit dem Wort “Sie“ anfingen.
 
3. Das Cover und das gesamte Layout, kann ich dank des fotografischen Geschicks meines Mannes, selber entwerfen. Der große Vorteil bei diesem Punkt ist, das dir kein Verlag was vorschreiben kann. Du verwirklichst nur deine eigenen Ideen. Und ich muss aus meinem Puma, keinen Vampir machen.
 
4. Im nach hinein stimmt dies so nicht. Der Verlag hilft dir zwar bei vielen Stolpersteinen, trotzdem musst du den Weg teilweise alleine gehen. Denn sie fordern vom Autor zum Beispiel, ausgebreitete Lesereisen quer durch Deutschland zu machen. Ungünstig, da ich in Spanien lebe. Aber auch wenn ich in Deutschland wohnen würde, wäre ich mehr damit beschäftigt, die Pläne der Lufthansa und der Bahn zu studieren, als an meinem zweiten Buch weiter zu schreiben. Vielleicht macht der Verlag ein bisschen mehr Werbung in den Medien. Aber in den Buchläden liegt dein Buch nur so lange in der Auslage, bis eine Neuerscheinung auf dem Markt kommt. Und dann verschwindet dein Buch in Regal 345, ganz unten. Wenn du bis dahin nicht selber die Werbetrommel gerührt hast, dann gehst du als Autor, zusammen mit deinen Roman, unter und verlierst dich in den Massen der täglichen Neuerscheinungen. Doch dank der socials networks, kann ich mit meiner eigenen Homepage, Blog, Twitter, Xing, Google+, LinkedIn und Facebook, mein ganz persönliches Lesepublikum ansprechen und erreichen.
 
Darum entschloss ich mich Mitte Oktober 2011, ein Indie zu werden.
Indie, die Abkürzung von independent, unabhängig von allen und jedem. Jetzt schreibe, verlege, überwache und vermarkte ich meine Bücher eigenständig. Dank meinen treuen Leser und Followern der oben genannten Community. Die schon zu mir standen, lange bevor mein erster Roman erschien.
Ich glaube, das ist die interne Macht der Indies, gegenüber den Verlagen. Denn so erfahren wir aus erster Hand, was unsere Leser interessiert, wie es in ihren Gedanken aussieht und wie sie sich einen fesselnden Roman vorstellen. Wir lassen sie teilhaben an unserem Projekt, nehmen ihre Anregungen und Tipps an und können sie sofort umsetzten. Wir freuen uns auf die ehrlichen Bewertungen unserer Leser und auf ihre neugierige und unvoreingenommene Lust, unsere Bücher zu lesen.
 
Das gibt uns Indie-Autoren den Ansporn, um weiter zu schreiben. Darum glaube ich tief in meinem Herzen, das sich die Welt der Bücher verändern wird. Die Grenze zwischen den Indie-Autoren und der uneingeschränkten Hierarchie der Buchverlage, wird sich neu formieren.

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